Es gibt Wohnungen, in denen stehen Möbel. Und es gibt Wohnungen, in denen wohnen Bücher. Unsere Wohnung gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie stehen nicht nur im Regal, sie lehnen an Wänden, liegen auf Fensterbänken, stapeln sich auf dem Nachttisch und haben sich auch heimlich in die Küche geschlichen. Bücher finden bei uns immer einen Platz, notfalls schaffen sie sich selbst einen.
Ein Leben mit Büchern bedeutet, dass Ordnung relativ ist. Nicht chaotisch, eher organisch gewachsen. Die Bücher ordnen sich nach Stimmungen, nach Lebensphasen, nach unsichtbaren Linien im Kopf. Der Roman, der mich durch eine schwierige Zeit getragen hat, die Geschichte die ich entspannt am Strand gelesen habe – diese Bücher liegen immer in meiner Nähe. Gedichtbände verstecken sich oft in kleinen Nischen, als wollten sie entdeckt werden. Bücher sind geduldig. Sie warten. Wochen, Monate, manchmal Jahre. Sie nehmen es nicht übel, wenn man sie vergisst, und sind sofort da, wenn man sie braucht.
In einer Wohnung voller Bücher verändert sich der Raum. Regale werden zu Wänden, Bücherstapel zu Dekoration. Ein dicker Roman kann ein Tischbein ersetzen, ein alter Bildband dient als improvisierte Ablage. Und doch wirkt nichts fehl am Platz. Bücher bringen Wärme, eine Schwere, die beruhigt. Sie machen Räume leiser, selbst wenn draußen die Welt laut ist.
Natürlich gibt es diese Momente, die alles schwer machen könnten: Ein Umzug. Kartons. Sortieren. Jedes Buch wird in die Hand genommen, in ein jedes wird reingelesen. Und jedes Buch erzählt nicht nur seine Geschichte, sondern sehr viel mehr. Wo man es gekauft hat. Wer es einem empfohlen hat. Wann man es gelesen hat. Erinnerungen steigen hoch und die Zeit rinnt dahin.
Ein Leben mit Büchern heißt aber auch, sich ständig neu zu entscheiden. Welches Buch darf bleiben, wenn der Platz knapp wird. Manche gehen, die meisten bleiben. Und jedes neue Buch stellt dieselbe leise Frage: Wo darf ich wohnen? Eine Antwort findet sich immer: Zwischen zwei anderen, auf einem Stapel, in einer Ecke, neben dem Bett oder es zeigt sich eine Möglichkeit, die man vorher gar nicht gesehen hat. Vielleicht ist aber das das Schönste an einem Leben mit Büchern: Sie lehren uns Raum zu schaffen. Nicht nur im Regal, sondern auch im Denken. Offen zu sein für neue Ideen, andere Perspektiven, fremde Leben. Eine Wohnung voller Bücher ist kein Zeichen von Unordnung, sie ist ein Zeichen von Neugier.
Wie haltet Ihr es mit Büchern? Habt Ihr immer Platz für neue Geschichten? Sortiert Ihr regelmäßig aus?
Claudia Böhme
Moin, ich bin Claudia und Bücher spielen in meinem Leben schon immer eine große Rolle. Ich lese gerne Frauenromane, Krimis und Biografien. Meine Lieblingsautor:innen sind Andrej Kurkow, Alina Bronsky, Brigitte Reimann, Tove Ditlevsen, Anne B. Ragde, Éliette Abécassis, Henning Mankell und noch einige mehr. Und eines meiner Langzeitlieblingsbücher ist die Legende von Paul und Paula.